Jürgen Landmann ~ Abenteuer Outdoor
Jürgen Landmann ~ Abenteuer Outdoor

Broad Peak 8047m - Pakistan2014 - Tourbericht Teil 3

Unser gesamtes Team

Tag 21

Sogar der Masherbrum zeigt sich in voller Schönheit

 

Nach einer mäßigen Nacht bimmelt um 5.00 Uhr der Wecker. Also der alte Trott: Kocher an, frühstücken, Tee machen, möglichst viel trinken und Wasser für den Tag bereiten. Ich nehme normalerweise 2 Liter für unterwegs mit. Das reicht dann, den Gipfeltag mal ausgenommen, gerade mal so. Kurz vor 6.00 Uhr klopft Nazir bei uns am Zelt und will aufbrechen. Wir haben noch nicht genug Wasser heiß, bitten ihn noch zu warten. 6.30 Uhr können wir endlich los.

 

Es ist ein eiskalter Morgen. Die Sicht ist super, allerdings zieht sich über uns eine dichte Wolkendecke zusammen.

Gleich oberhalb von Camp 2 steilt der Weg über zwei Rampen mächtig auf, bevor es teils kletternd durch die Felsen geht.

Langweilig ist der Aufstieg nicht gerade

 

 

 

 

 

 

Nun wechseln sich flachere felsige mit steilen Schneepassagen ab. Der Schnee ist tief, immer wieder brechen wir im Bruchharsch bis zu den Knien ein, Steinschlag ist an der Tagesordnung. Gegen 11.00 Uhr bricht ein Sturm los – toll! Mittags kommt wenigstens gelegentlich die Sonne raus.

Camp 3 ist fast erreicht

Ich bin heilfroh, als ich endlich den unteren Teil von Camp 3 erreiche. Nun kann es ja nicht mehr weit sein. Meine Kameraden sind schon vorausgegangen. Ein mir entgegenkommender Pole erzählt, es ist noch knapp eine Stunde bis zum Lager. Na klasse! Und das mit dieser üblen Last auf den Schultern. Schließlich transportieren wir alles hier hoch, was wir für den Gipfeltag benötigen.

 

Immer öfter bin ich jetzt in Wolken gehüllt, die Sicht deutlich unter 50 m. Es ist schwierig, den Weg zu finden. Einmal breche ich mit dem linken Bein bis zur Hüfte in eine Spalte, mein Fuß spürt keinen Grund. Der Schreck fährt wie ein heißer Blitz durch meinen Körper. Schlagartig ist die Erinnerung an den Spalteneinbruch am Pik Lenin und Etna wieder da. Ich arbeite mich möglichst schnell, aber vorsichtig wieder raus und halte mich weiter rechts.

 

Das Camp 3 auf 7200 m erreiche ich um 13.00 Uhr. Meine eben zurückgehenden Freunde sagen, dass wir die Zelte nicht aufbauen, statt dessen ein Depot in einem der schon stehenden Zelte anlegen. So pack e ich mein Zeug da rein und raste noch eine Weile.

Ein einzelner Bergsteiger kommt zum Lager rauf, auf den will ich noch warten, ehe ich wieder absteige. Die Sicht ist im Moment eh immer wieder sehr schlecht. Ich befürchte schon, hier oben biwakieren zu müssen. Der einzelne Bergsteiger ist Karim, ein Pakistani. Unsere Sachen sind in seinem Zelt. Auf meine Nachfrage erzählt er mir, es hätte ihn zwar keiner gefragt, aber er hat nichts dagegen.

Dort unten ist Camp 2, ich bin ganz schön fertig

 

 

 

 

 

Ein kurzes Aufreisen, der Wolken- und Nebelwand, nutze ich um das Camp 3 zu verlassen. Ich halte mich weit weg von den Spalten und bin 75 Minuten später völlig fertig im Camp 2.

Eigentlich hatte ich gehofft, meine Kameraden hätten schon die Kocher an und mir einen Tee gemacht. Aber, nix da! Torsten schläft im Zelt. Der ist doch schon seit Stunden hier!? Ich darf also, nachdem ich meine Ausrüstung abgelegt und mich umgezogen habe, selber Schnee holen und schmelzen. Die ersten Schlucke nach so einem anstrengenden Tag sind immer wieder unglaublich.

Als Torsten endlich wach wird, sehe ich, dass er heute voll „eingebremst“ ist. Er ist völlig alle und sieht ein, dass er einen frühzeitigen Gipfelversuch nicht überlebt hätte. Christian dagegen ist so stark, wie ich ihn kenne.

Ist es hier oben nicht wunderschön?

Gegen Abend wird das Wetter wieder schön, wir essen sogar vor den Zelten. Es gibt Nudelsuppe, Knäckebrot mit Hering und Thunfisch aus der Dose. Für ein Hochlager ganz schön luxuriös.

Bildergalerie Tag 21

Tag 22

Heute geht es zurück ins BC

 

 

 

 

 

13.07. Unsere Zeit der Akklimatisation am Berg ist zu Ende, wir hatten ja 4 Nächte hier oben. Torsten und Christian stehen schon 5.30 Uhr auf und steigen ab. Mir ist das zu früh und folge erst 2 Stunden später.

 

Nahezu die gesamte Ausrüstung bleibt hier in Camp 2, volles Risiko. So sparen wir Last und damit wertvolle Kraft beim nächsten Aufstieg. Nur ein Sturm darf nicht kommen, da wäre unsere gesamte Habe verloren.

Im Aufstieg waren hier noch Eis und Schnee, jetzt seilen wir durch einen Wasserfall ab

 

 

 

Mein Abstieg verläuft ohne Probleme, aber ich merke, dass ich die Erholungsphase im BC brauche.

 

Torsten hat sich 1 Stunde im Gletscherbruch verlaufen, der Weg ist aber auch nicht leicht zu finden. Ich selber brauche etwa genauso lange, um unter großem Risiko die 3 mittlerweile zum reißenden Strom angeschwollene Gletscherflüsse zu überqueren.

11.00 Uhr bin ich endlich im BC, bekomme sofort von unserem Hussein ein heißes Getränk und ein spätes Frühstück. Gleich nach dem Essen gönne ich mir eine warme Dusche. Obwohl die Sonne das kleine Zelt aufgewärmt hat, ist das Ganze eine schattige Angelegenheit. Das Ergebnis allerdings ist toll, ich fühle mich wie neu geboren.

 

Nachmittags wird auch die verschwitzte und schmutzige Kleidung durchgewaschen. In den schon wieder sinkenden Temperaturen trocknet die aber nicht mehr – morgen ist auch noch ein Tag.

Unser See ist weg, da war mal 10m tief Wasser drin

 

 

 

 

In den 4 Tagen am Berg hat sich das BC ziemlich verändert. Der See, aus dem wir unser Trinkwasser holten, ist weg. Es hat sich eine Spalte aufgetan und das viele Wasser verschwand darin. Rund um die Zelte schmilzt uns der Boden unterm Hintern weg. Unter meinem Zelt fließt einer kleiner Bach durch.

 

Nachmittags und abends dröhnen von K2 her berstende Eistürme wie Geschützdonner. Manchmal kann man die Erschütterung im Zelt liegend auf dem Boden spüren.

Bildergalerie Tag 22

Und hier noch ein kleines Video

Tag 23 - 29

Chogolisa am Morgen

 

 

 

 

 

 

14.07. Beginn der Ruhetage im BC. Die Zeit der Akklimatisation in den beiden Hochlagern war wirklich anstrengend. So stehe ich erst um 7.30 Uhr auf, bin der erste der drei Zurückgekehrten. Also hocke ich mich vor dem Frühstück erst einmal auf einen Milchtee ins Küchenzelt.

Sturmfahne am K2

 

 

 

 

 

 

 

Richie, der inzwischen seine Akklimatisation in Angriff genommen hat, funkt aus Camp 1, dort herrscht eisiger Sturm. Auch am K2 Hängen Sturmfahnen.

Ich stehe vor dem Pass der Winde

 

 

 

 

Hier im BC ist es sonnig und angenehm. Das Essen hier ist klasse, zwar hatten wir im Hochlager das Notwendigste, aber hier gibt es zwei voll motivierte Jungs im Küchenzelt. Am Morgen machen die ein super Käseomelett und stellen heißes Wasser für den Kaffee hin – Luxus pur!

 

Der Wetterbericht kann nicht wirklich voraussagen, wie lange wir hier unten ausharren müssen. Einfach die Füße hochlegen, kann und will aber keiner von uns. Wir machen einen Ausflug und besuchen das K2 Basislager.

Deutschland ist Weltmeister

 

Auf dem Rückweg versuche ich Ergebnisse der Fußball WM in Erfahrung zu bringen. Die Polen und die Thai sagen, wir wären wohl Weltmeister, nur das Ergebnis ist unsicher. Am Abend bestätigt unser Verbindungsoffizier die Nachricht – wir feiern.

 

15.07. Gestern konnte ich ausschlafen und habe mich tagsüber auch nicht sehr anstrengen müssen, dem entsprechend schlecht habe ich letzte Nacht geschlafen, wie keine Nacht zuvor seit wir hier sind.

Den Tag gehen wir ruhig an, wir lesen und spielen Karten. Immer wieder brechen rund um unser Lager Séracs und Eistürme in alle Richtungen und überall rumpeln Eislawinen zu Tal.

Ab morgen sind 5 Tage Schneefall vorausgesagt – na toll!

Nicht immer ist Sonnenschein

16.07. Das Wetter hat umgeschlagen, nachts gab es immer wieder Regen.

 

Heute kommen Karim, ich kenne ihn ja von meinem Besuch in Camp 3, und 3 Lo`s zu Besuch.

 

Wir beginnen mit den konkreten Besprechungen für unsere Gipfelstrategie. Richie und Felix steigen aus den Hochlagern zu uns ab. Nun sind wir wieder komplett.

 

Uns erreicht die Nachricht, dass es auf unserem geplanten Rückweg von BC nach Hause, am Pass zwei Tote und einen Schwerverletzten gab. Jetzt wissen wir auch, warum unser Verbindungsoffizier (LO) so einen Bammel vor dieser Route hat.

Am Abend zieht es total zu, wir sitzen im Dauerregen.

Zu Besuch bei der Nachbarexpedition von Seven Summits

 

 

 

 

 

17.07. Auch diese Nacht trommelt der Regen auf die Zelte, erst gegen Morgen geht er in Schnee über. Früh liegen gerademal 5cm, die tauen aber auch recht schnell weg.

 

Uns erreichen 3 Träger mit frischen Lebensmitteln, auch Cola haben sie dabei, eine gute Abwechslung zu Tee und Instantsaft. Es ist ungemütlich nasskalt.

Wir hocken uns zusammen und planen die Taktik für den kommenden Aufstieg. Als Start haben wir den 21.07. ins Auge gefasst.

Nazir und Frostie

18.07. Über Nacht gab es wieder 10cm Neuschnee.

 

Heute hat mein Papa Geburtstag. Natürlich sende ich mit dem Satellitentelefon eine Nachricht mit den besten Wünschen nach Hause. Tausende Kilometer weit weg kann ich meine persönlichen Gedanken an einen geliebten Menschen schicken – verrückt.

 

Es schneit den ganzen Vormittag. Das Wetter ist schon fast grenzwertig für meine geliebten Schlappen, aber ich halte durch und ziehe eben noch ein Paar socken mehr an. Hussein, unser Küchenjunge, geht noch ganz ohne Socken, der ist noch härter.

 

Heute mache ich etwas, was ich schon lange einmal tun wollte, ich baue im BC einen Schneemann. Keine Ahnung, warum ich noch nie dazu kam.

19.07. Noch immer hält das schlechte Wetter hier unten im BC, es hat wieder in der Nacht geschneit. Wir nutzen als die Zeit zum Waschen und Großputz in Küchen- und Messzelt.

 

Es gibt üble Neuigkeiten: In Chilas, der Kleinstadt in der wir bei der Anreise so toll zu Mittag gegessen hatte, haben vermutlich Taliban die Polizeistation in die Luft gesprengt und 5 Menschen getötet. Genau durch diese Unruheregion, soll unser Rückweg wieder gehen, ein ungutes Gefühl.

 

Den ganzen Tag ist es kalt und bewölkt, nachmittags setzt wieder Schneeregen ein.

Morgen früh geht es da hoch, hoffentlich geht alles gut

20.07. Endlich haben wir die erhoffte Wetterbesserung. Morgens ist es klar und eisig, ein gutes Zeichen. In der aufgehenden Sonne gehen an den umliegenden Berghängen die Neuschneemassen der letzten Tage als Lawine ab.

 

Wir hocken uns also zusammen ins Messzelt und besprechen die medizinische Notfallversorgung und die Funkzeiten für die kommenden Tage in den Hochlagern. Nachmittags telefoniert Felix mit der Wetterstation in Innsbruck. Die sagen für den 23.07. windstill und recht warm (-20°C) und den 24.07. nur wenig Wind voraus. Das wollen wir für unseren Gipfelversuch nutzen. Nachts um 4.00 Uhr soll Aufbruch sein.

Die restliche Verpflegung wird aufgeteilt, jeder fummelt noch irgendwas, richtet noch einmal die Ausrüstung. Es herrscht gespannte Ruhe.

Gegen 16.00 Uhr gibt es eine halbe Stunde Sturm und Schneegriesel, oben schneit es wohl richtig. Mist! Hoffentlich fällt da oben nicht zu viel, sonst wird morgen die Lawinengefahr zu groß. Trotzdem, ich freue mich auf den Aufstieg.

Bildergalerie Tag 23 - 29

Tag 30

Dämmerung, noch scheint der Mond

 

 

 

 

 

 

21.07. Um 3.00 Uhr schellt der Wecker, eine Stunde später setzen wir uns zum dritten Mal in Richtung Berg in Bewegung.

 

Die Gletscherflüsse sind fast trocken, jedoch fällt es mir schwer, den Weg durch den Eisbruch zu finden.

Christian im Aufstieg
Christian im Aufstieg

Im Aufstieg sind die ganzen Felsen frei geschmolzen. Die Steinschlaggefahr ist sehr hoch, überall liegt loses Geröll, das bei der geringsten Berührung, auch mit dem Sicherungsseil, wie Geschosse ins Tal fliegen. Das Steigen im harten Firn dagegen ist wunderbar.

Um 8.30 Uhr erreiche ich Camp 1. Nach kurzer Rast und etlichen Schlucken Tee setze ich meinen Weg nach oben fort.

Die Sonne brennt uns auf den Pelz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Nach und nach wird es wärmer und der Schnee tiefer. Ich mühe mich.

Nazir ist schon oben

 

 

 

 

 

 

 

Im Camp 2 angekommen, so gegen 11.45 Uhr, wartet einiges an Arbeit auf uns. . In der vergangenen Woche gab es hier viel Neuschnee und Sturm. Also schaufeln wir unsere beiden Zelte frei. Die beziehen Torsten, Richie und Christian.

Felix im Zelt mit Tiefblick

 

 

 

 

 

Felix und ich wohnen in dem weiter unten stehenden Zelt der Spanier. Leider hat das der Sturm weggerissen. Fast wäre es über der Wechtenkante hinaus in der Tiefe verschwunden. Wir bergen es also, beräumen das Chaos im Inneren und stellen es neu auf. Der vordere Teil samt Reißverschluss ist zerrissen, naja, für eine Nacht wird es schon gehen.

In der Ferne grüßt der Nanga Parbat
In der Ferne grüßt der Nanga Parbat

Der Aufstieg heute und das Aufstellen der Zelte ging ausgesprochen gut. Meine Vorakklimatisation hält also noch an, hatte schon Angst, die Woche unten im BC hätte viel davon zunichtegemacht.

Tag 31

Sonnenaufgang auf über 6000m Höhe

22.7. Um 4.00 Uhr ist meine Nacht hier oben auf über 6000 Meter zu Ende. Es war eisig, da der vom Sturm zerrissene Reißverschluss vor meiner Nase, viel Winter in das Zelt ließ.

Ich werfe den Kocher an und beginne Schnee zu schmelzen. Felix bewegt sich noch nicht, liegt bis oben zugeschnürt in seinem kuscheligen Daunensack. Beim Befüllen des Kochtopfes mit Schnee sind meine Hände binnen Sekunden kalt und steif. So bin ich froh, als ich endlich den ersten Pott heißen Tee trinken kann.

Der Schatten des Broad Peak im Tal, Bildmitte ist Camp 2 zu sehen

 

 

 

 

Nach einem guten Frühstück brechen wir kurz nach 6.00 Uhr auf. Mühsam quälen wir uns die ersten beiden Steilstücke oberhalb des Lagers bis in die ersten Felsen. Hier wird es kurz flacher, dafür aber schwieriger zu gehen.

Wir machen nach gut 2 Stunden Marsch eine Pause unterhalb der langen Rampe, die über den oberen Gletscher führt. Bis jetzt waren wir alle dicht beisammen, gehen ein ähnliches Tempo.

Der Gipfel scheint zum Greifen nah, scheint aber nur so

 

 

 

 

 

 

Der monotone Aufstieg zieht sich. Die Bedingungen sind nicht die allerbesten. Immer wieder wechselt unangenehmer Bruchharsch mit Blankeis. Lediglich die kurzen Firnpassagen lassen sich angenehm gehen. Es geht alles ausgesprochen langsam und strengt sehr an.

Hinten ist der letzte steile aufschwung vor Camp 3

 

 

 

 

 

 

 

 

Endlich ist die Rampe hinter uns und der Blick fällt in eine weite Mulde, das ist gemein. Da müssen wir noch durch, um auf der anderen Seite wieder hochzusteigen.

Hier oben ist es echt beschwerlich

 

13.00 Uhr erreichen ich endlich Camp 3 in 7050m. Felix schläft etwa 100m weiter unten in einem Zelt der Spanier. Wir müssen unsere Behausung erst noch aufbauen. Also heißt es Plattformen schaufeln. Christian und ich benötigen eine Fläche von 3 x 3 Meter und einen Meter tief.

Die Arbeit mit den winzigen Schaufeln strengt unwahrscheinlich an und man bekommt kaum noch Luft. Nach 2 Stunden steht das Zelt endlich und wir beide sind völlig im Eimer.

 

Ausruhen können wir uns aber nur kurz, denn wir müssen bald beginnen Schnee zu schmelzen. Leider haben wir die Teebeutel im Camp 2 vergessen, bleibt uns nur ein Rest „Tang“ (Getränkepulver) und mein Notfall-Hustentee im Sanibeutel.

 

Mit den anderen Expeditionen vereinbaren wir einen gemeinsamen Anstieg Richtung Gipfel, um die Spurarbeit so auf alle aufteilen zu können und Kraft zu sparen. Start soll Mitternacht sein.

Bildergalerie Tag 31

Tag 32

23.07. Nach einer extrem kurzen Nacht zünde ich schon 22.30 Uhr den Kocher. Ich liege vorn im Zelt und so fällt mir die Aufgabe zu, Frühstück und Getränke für uns beide zu bereiten.

Mitternacht hört man draußen die ersten Stimmen, also machen auch wir uns fertig, gesellen uns vor das Zelt zu den Bergsteigern der anderen Expeditionen und beginnen den Aufstieg.

Nach einer halben Stunde stehe ich vor der Spaltenzone, ab hier gehen wir zur Sicherheit am Seil. Meine Kameraden sind noch weit hinter mir und ich muss warten. Es ist eisig, ich merke, wie die Kälte in meinen Körper kriecht. Nach 20 langen Minuten sind wir endlich zu viert, können uns einbinden und weiter gehen. Felix war, wie zu erwarten noch nicht zu uns heraufgekommen. Nazir, der uns beim Aufstieg unterstützen sollte, ist höhenkrank und musste absteigen.

Im Schein unserer Stirnlampen stapfen wir, einige Spalten umgehend, durch die Nacht. Bald wird das Gelände steiler. An einem eisig harten Aufschwung lösen wir die Seilschaft auf. Zu groß ist die Gefahr, dass einer stürzt und alle anderen mit in die Tiefe reißt. Endlich schließt auch Felix zu uns auf, wir sind komplett.

Hier bin ich kurz zuvor abgestürzt

In der Dämmerung kommen wir zu einer breiten Traverse. Hier brauchen wir ein Fixseil zur Sicherung. Gut eine halbe Stunde dauert das Anbringen. Wieder viel Zeit um kalte Extremitäten zu bekommen. Der eiskalte Sturm tut alles, unsere Auskühlung zu beschleunigen. Eigentlich war doch Windstille vorausgesagt!

Inzwischen ist es hell geworden und ich zähle 16 Bergsteiger, die zusammen einen Weg nach oben suchen.

 

Das Gelände wird wieder abwechslungsreicher, flache Passagen wechseln mit steiler Eiskletterei. Immer wieder müssen wir rasten, zu Kräften kommen und einfach nach Luft schnappen. Gut stehen oder gar sitzen kann man nirgends mehr. Ich ramme also meinen Eispickel in den festen Untergrund und hocke mich zum Verschnaufen daneben. Ohne Vorwarnung zieht es meine Sicherung aus dem Boden, ich überschlage mich rückwärts und stürze in die Tiefe. Mit viel Glück und Mühe kann ich irgendwie meinen Eispickel und die Steigeisen wieder in den Schnee pressen, um meinen Sturz zu stoppen und wieder auf die Füße zu kommen.

Mein Herz schlägt bis zum Hals, ich bin völlig außer Atem. Auch den Bergsteigern weiter oben, die meinen Sturz tatenlos mit ansehen mussten, steht der Schreck ins Gesicht geschrieben. Es braucht einige Zeit, bis ich mich wieder auf den mühsamen Aufstieg zu den anderen nach oben mache.

Halb links der Einschnitt zur Scharte

 

 

 

 

 

Das letzte Hindernis zur Scharte ist eine schier endlos steiler werdende Rampe, an deren Ende sind schon zeitig Felsen zu erkennen. Toll – Kletterei auf fast 8000 Meter Höhe! Glücklicherweise können wir uns hier in ein Sicherungsseil einhängen und stehen 9.45 Uhr endlich im flachen abschnitt der Scharte. Hier erreichen uns auch die ersten Sonnenstrahlen. Der Wind hat sich auch gelegt und wir gönnen uns eine Rast auf 7800m und genießen die grandiose Aussicht.

Ganz hinten links ist der Gipfel

 

 

 

 

 

Von hier aus kann man auch gut unseren weitern weg einsehen. Gleich zu Beginn passieren wir einen toten Bergsteiger, keiner schöner Anblick. Er und ein weiterer tödlich verunglückter Kollege gehörten zu einer polnischen Expedition vom vergangenen Winter.

 

Wir stapfen mühsam weiter bergan. Der Schnee wird immer tiefer. Keiner von uns nutzt zusätzlichen Flaschensauerstoff.

Der Felskamin

 

 

 

 

 

 

 

 

Noch dreimal müssen wir durch die Felsen klettern. Alles geht so unbeschreiblich schwer und langsam. Irgendwann stehen wir an einem 3 Meter hohem, senkrechten Felsen, von dem ein altes zerschlissenes Seil hängt. Halb an dem mürben Seil hängend und halb im Felsen verkrallt, zwingen wir unsere müden Körper nach oben.

Mein 2. Achttausender

 

 

 

Bis hierher waren auch die Erstbesteiger um Hermann Buhl bei ihrem ersten Versuch gegangen, der Vorgipfel, 8035 Meter hoch – mein 2. Achttausender!

Über das nach rechts abfallende Felsplateau marschieren wir weiter, klettern einen schmalen Felskamin runter und gehen durch eine Schneemulde zum nächsten Aufschwung. Immer wieder sind meine Gedanken bei Markus Kronthaler, ein österreichischer Bergführer, der den Rückweg vom Gipfel nicht mehr geschafft hat.

Christian müht sich zu mir hoch

 

 

 

 

 

 

Die nächste Anhöhe erklimme ich noch, lasse Christian allein weiter Richtung Hauptgipfel gehen. Es ist 13.45 Uhr, ich will mir die 2 Stunden Hin- und Rückweg ersparen, zu viele sind schon hier oben zu Tode gekommen. Alle technischen Raffinessen zum Gipfel des Broad Peak habe ich gemeistert.

Gipfelpanorama

Ich mache noch einige Bilder und begebe mich allein in Richtung Abstieg, der wieder mit viel Kletterei, ausgesetzten Passagen in tiefem Schnee und einigen harten Gegenanstiegen aufwartet.

Als ich im unteren Teil des Felskamins bin, poltert es über mir. Ein bulgarischer Bergsteiger kommt unkontrolliert heruntergestürzt, direkt auf mich zu – ich kann nicht weg! Zum Glück für uns beide verfängt er sich nur anderthalb Meter über mir in einem Seil. Er steckt fest und bittet um Hilfe. Also steige ich wieder hoch und helfe ihm sich zu befreien.

Das Hochlager 3 kommt in Sichtweite

 

 

 

 

16.15 Uhr stehe ich wieder in der Scharte, raste kurz und steige weiter ab. Die schwierigsten Passagen liegen nun hinter mir, aber konzentriert bleiben muss ich trotzdem. In Sichtweite zum Camp 3 schließt Felix zu mir auf. Wir gratulieren uns und gehen weiter.

Das Lager erreichen wir um 19.30 Uhr mit einbrechender Dunkelheit. Ich will mich nur noch in den Schlafsack legen und heißen Tee trinken.

Bald ist es dunkel

Zu meiner Verwunderung haben allerdings die Spanier unser Zelt bezogen und es braucht einige Zeit und viel Nachdruck, um die da raus zubekommen.

Als die Jungs endlich unsere Behausung geräumt haben und unsere zurückgelassene Ausrüstung zusammengesucht ist, erreichen auch die Drei letzten unserer Expedition das Lager. Torsten geht es gar nicht gut. Er bezieht mit Richie das kleine Zelt. Felix gesellt sich zu Christian und mir. Das macht das Schlafen zu beengt und unmöglich. Gerademal eine Art Sitzbiwak geben die Verhältnisse her. Nicht wirklich angenehm nach einem derart langen und anstrengenden Tag.

Bildergalerie Tag 32

 

Aktualisiert am 25.06.2017

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