Jürgen Landmann ~ Abenteuer Outdoor
Jürgen Landmann ~ Abenteuer Outdoor

Cho Oyu 8201m - Tibet 2013 - Tourbericht Teil 4

Blick vom ABC zum Berg

Tourbericht Tag 18

Guten Morgen! Alle sind gut beladen

 

 

 

 

Ich konnte lange nicht einschlafen, weil die Kälte von unten in meinen Schlafsack kroch. Erst als ich noch einige Klamotten unterlegte ging es besser.

 

Morgens 8.00 Uhr wecken, Tee und Kaffee trinken, eine Stunde später Frühstück. Danach packen wir all unsere Habe und bauen die Zelte ab.

Jan-Jilles im Aufstieg, unten (Bildmitte) Camp 1

 

 

 

 

 

 

Gegen 11.00 Uhr steigen wir bei strahlend blauem Himmel weiter auf. Immer wieder kämpfen wir gegen starke Sturmböen, haben Mühe, in der Spur zu bleiben.

Zwei Verletzte steigen langsam ab

 

 

 

Mitten am Berg kommen uns vier Leute entgegen. Als sie näher kommen, erkennen wir diese als Sherpa. Irgendetwas stimmt nicht, die gehen zu langsam. Beim Zusammentreffen erst bekommen wir mit, dass drei von ihnen (schwer) verletzt sind. Wie erfahren, dass sie beim Anbringen der Fixseile von einer Lawine mitgerissen wurden. Wir leisten Erste Hilfe, müssen die Verletzten aber nicht weiter begleiten, Verstärkung wurde bereits über Funk angefordert und ist auf dem Weg.

Da müssen wir hoch

 

 

 

Weiter steigen wir zum Seracabbruch, einer 80m hohen Steilstufe. Eisklettererfahrung ist hier nicht von Nachteil. Nach dem ersten Steilstück, unter einer riesigen schon nach vorn hängenden Eisscholle, kommt eine Querung in der Wand. Zwar hängt man im festen Sicherungsseil, ein Ausrutscher wäre dennoch fatal. Man würde einige Meter nach unten fallen und müsste sich mühsam, an der mit 15cm Pulverschnee bedeckten Eiswand, zurück nach oben kämpfen.

Für 30 Minuten klettert jeder unter dem drohenden Eisblock

 

 

 

 

Anderthalb Stunden benötigen wir für die „nur“ 80 Höhenmeter. Ziemlich außer Puste rasten wir vor der „doppelten Welle“, einer Laune der Natur, die der Gletscher aus Eis und Schnee formt. Von hieraus ist es nicht mehr weit bis zum Plateau auf 6700m.

Die Welle

 

 

 

 

 

Sicher vor weiteren Lawinen bauen wir hier Camp 1.5 auf. Bis 17.30 Uhr brauchen wir für den Aufbau der Zelte. Meine Handschuhe sind nass und so werden meine Finger eisig und steif. Das macht alles noch schwerer.

Gute Nacht auf 6700m

 

 

 

 

 

Ich ziehe fast alles an was ich habe und heißer Milchtee wärmt mich zusätzlich. 18.00 Uhr essen wir zu Abend und schon 19.15 Uhr ist es Zeit für den Schlafsack. Heute Nacht schlafen wir über den Wolken ein und aus der Ferne grüßt und die 8013m hohen Shisha Pangma.

Bildergalerie Tag 18

Tourbericht Tag 19

"Über den Wolken ..."

Letzte Nacht habe ich „Intervall“ geschlafen – aber ich habe geschlafen. Hätte ich nicht gedacht, dass das hier oben geht. In diesem Jahr fällt mir eh vieles leichter. Während der gesamten Expedition habe ich keine Tabletten geschluckt, hatte glücklicherweise weder Kopfweh noch Probleme mit der Verdauung. Und in der ganzen Mannschaft war ich der Einzige, der auf die Einnahme von Diamox verzichtete.

 

 

Wir legen heute einen Ruhetag ein. Jeder versucht, sich so wenig wie möglich zu bewegen. Nach draußen zieht es uns allenfalls, um die die wärmende Sonne zu genießen. Unter uns hängt eine dichte Wolkendecke.

 

Zwei weitere Expeditionen kommen zu uns herauf, legen aber nur ein Depot an und steigen wieder ab. Die wollen morgen ihre Sherpas mit Seilen schicken, um Jangbu und Ang Pasang beim Versichern des Aufstiegs zu unterstützen.

Bis spät in die Nacht fauchen im Zelt die Brenner

 

 

 

 

Viel Zeit verbringen wir mit dem Schmelzen von Schnee und der Zubereitung von Tee und Essen. Wir leben von gefriergetrockneter Fertignahrung, mitgebracht von zu Hause. Nachts gehe ich noch eine Weile vor das Zelt und beobachte den unglaublich klaren Sternenhimmel. In den Tälern unter uns toben Gewitter, sieht von oben toll aus. Ich hoffe nur, die bleiben da unten.

Tourbericht Tag 20

Lagerabbau im White Out

Schon 06.30 Uhr frühstücken wir, der heutige Weg ist weit. Wir bauen die Zelte ab und legen ein Depot mit den Sachen an, die später mit ins ABC kommen. Mit dem Rest der Ausrüstung brechen wir um 09.00 Uhr Richtung Camp 2 auf. Es geht „Jangbus Way“ entlang. Hier ist es nicht so steil, dafür aber tiefer Schnee. Immer wieder brechen wir bis zu den Knien durch die Schneedecke ein, wahnsinnig anstrengend. Dazu kommt fast ständiger Schneefall mit teilweiser Sichtweite um 10m.

 

Den Platz von Camp 2 auf 7180m erreichen wir um 12.15 Uhr. Alle Sachen für den weiteren Aufstieg, die wir nicht unbedingt im Tal benötigen, graben wir im Schnee als Depot ein und machen uns umgehend wieder an den Abstieg. Immer öfter geraten wir in totale „White Out“. Die Orientierung fällt unglaublich schwer. Schnee und Wind verwehen ständig die Spur.

Ganz da runter müssen wir noch

Zurück am Depot Camp 1.5 der Schock: Raben haben fast alle Säcke aufgehackt und die Inhalte herausgezogen, Tüten zerrissen und Fressbares davongetragen. Abhandengekommen ist bei mir nichts, aber der Schutz vor Nässe ist bei meinem Schlafsack nicht mehr wirklich gegeben.

Das Abseilen über die Steilstufe des Sérac macht keine Probleme, also weiter bis Camp 1. Hier rasten wir ein wenig und legen die schweren Bergstiefel und die Klettergurte ab. Das meiste der Ausrüstung lassen wir in einem Depotzelt hier und steigen mit weniger Last weiter ab.

Den Killerhang runter zu rennen macht allen viel mehr Spaß als uns hoch zuschinden. Auf dem immer noch weiten Weg zum ABC sind zwei unserer Kameraden so fertig, dass wir immer wieder warten und diese zum Weitergehen ermutigen müssen.

So erreichen wir das Lager erst um 20.00 Uhr bei völliger Dunkelheit. Chimi erwartet uns bereits mit heißem Mangosaft und Dorje bereitet uns ein köstliches Dinner.

Bildergalerie Tag 20

Tourbericht Tag 21 - 23

Schee und Eis und doch frieren wir nicht

 

 

 

 

Tag 21: Nach den letzten Tagen voller Anstrengungen und mit wenig Schlaf, verbrachte ich die letzte Nacht wohlig weich gebettet und süß träumend. Was für eine Wohltat. Nach dem Aufwachen klopfte ich den Schnee vom Zelt. Nun kann die Sonne die Kuppel aufheizen. Hier unten erscheint mir alles bequem und warm, doch am Küchenzelt hängen die Eiszapfen noch lange in der Sonne.

Auch Jangbu hat ein wenig Zeit für sich

 

 

 

 

 

Wir alle versuchen uns zu erholen, essen und trinken gut und viel.

 

Tibeter sammeln für die Wasserleitung eines Klosters. Ich spende 100 Yuan, etwa 16 Euro. Jeden Tag eine gute Tat.

Wir senden Berichte in die Heimat

 

 

 

 

 

Tag 22: Wieder hat es in der Nacht geschneit, aber morgens (nicht zu früh!) ist strahlend blauer Himmel. Wir lesen alle viel und schreiben Tourberichte, die nach Hause geschickt werden sollen. Auch Fotos für die Lieben in der Heimat werden auf Dans Laptop geladen.

Glanzfasane - gut getarnt

 

 

 

 

Den ganzen Tag zieht eine Familie Glanzfasane durch das Lager. Die picken Gras und Samen auf und sind gar nicht so scheu.

Die Yaktreiber werden für ihre Dienste bezahlt. Es wird lautstark gefeilscht und dauert ewig. Danach diskutieren wir lange über Wetter und Taktik.

Anhand dieses Bildes studieren wir die Route

 

 

 

 

Tag 23: Heute habe ich ganze 10 Stunden geschlafen. Chimi hat mich zum Frühstück geholt, fast hätte ich es verpasst.

 

Unsere Strategieplanungen werden konkreter. Die aktuellen Wetterberichte sind da und sagen viel Schnee in 4-5 Tagen voraus.

Unser Küchenteam hat gezaubert

 

 

 

16.45 Uhr die Entscheidung: Wir brechen morgen früh auf, versuchen einen ersten Gipfelangriff. Ich freue mich, weil die Ungewissheit ein Ende hat.

Schon wenig später finde ich mich in meinem Zelt wieder. Die heimliche Aufregung (würde ich nie zugeben) lässt mich jetzt schon packen.

Nachmittags und abends gibt es noch einmal noch mehr und besseres Essen. Das ist doch wohl nicht unsere Henkersmahlzeit?!

Bildergalerie Tag 21 - 23

Tourbericht Tag 24

Morgenstimmung im ABC

 

 

 

 

 

 

Meine Aufregung von gestern scheint verflogen, denn ich konnte wunderbar schlafen. Irgendwer hat das Frühstück 20 Minuten vorverlegt und mich wohl nicht informiert. So kam Chimi an mein Zelt um Bescheid zugeben.

Gruppenfoto vor dem Aufbruch

 

 

 

Nach ausgiebiger Stärkung packen wir noch einige wenige Dinge und sind kurz nach 10.00 Uhr startklar. Am Chörten brennen Räucherstäbchen. Wir opfern Reis und sprechen erneut, jeder für sich eine Art Gebet, vielleicht mehr eine Bitte in Richtung Berg.

Dann ist Aufbruch. Anfangs gehen wir ein hohes Tempo, alle schnaufen. Nach einiger Zeit finden wir einen guten Rhythmus. Die meiste Zeit haben wir blauen Himmel und 7°C. Bis zum Killerhang brauchen wir 2 Stunden.

Rast am Gletscher

 

 

 

 

 

 

Nach einer kurzen Pause steigen wir weiter auf, dem ständigen Bombardement von oben ausweichend. 14.40 Uhr stehen wir im Camp 1 und dürfen zu unserem Erstaunen fremde Zelte beziehen. Die Sherpas haben das untereinander vereinbart und wir können Kraft und Zeit sparen.

Camp 1 6300m

 

 

 

Ich richte mich in meiner Unterkunft ein und versuche einige durchgeschwitzte Sachen in der Sonne zu trocknen. Gegen 16.00 Uhr bringt Jangbu uns Tee und Kekse, später noch Wurst und Käse. Jetzt werden wir schon im Hochlager verwöhnt.

Zeitig verziehe ich mich in meinen Schlafsack und bewege mich nur noch, um etwas zu Abend zu essen. Dan kommt erst um 18.00 Uhr im Lager an. Er hat noch die Bilder und Berichte der letzen Tage nach Hause gemailt. Was mich sehr freut.

 

Aktualisiert am 01.01.2017

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